Bersenbrücker Kreisblatt, Ausgabe vom 23. November 2007, Seite 17, Ressort Lokales

Über das Drängeln auf Busbahnhöfen

Gefährlicher Alltag an Schulen – IGS in Fürstenau will reagieren – Patenschaften
Von Liesel Hoevermann Fürstenau. Schulschluss. Warten auf den Bus. Drängeln. Für die einen ist das offenbar eine Art Sport, für die anderen ist es echter Stress. Was sich da auf Deutschlands Busbahnhöfen abspielt, ist nicht ganz ungefährlich – auch nicht an der IGS in Fürstenau.
So viel steht fest: Zum Drängeln haben die Schüler, die eigentlich nur noch nach Hause wollen, auch nach vielen Unterrichtsstunden immer noch Kraft. Möglicherweise ist dabei auch der Drang, sich nach Stunden des Stillsitzens zu bewegen, ein zusätzlicher Verstärker. Fest steht, dass alle Altersgruppen vom Drängelfieber betroffen sind. Und das führt schnell dazu, dass Eltern Beschwerde einlegen und Kontrollen einfordern. Einfach gesagt, nicht ganz so einfach umzusetzen. Na klar, es gibt Lehrer, die Aufsicht führen und auch für Disziplin sorgen, aber bei elf Bushaltestellen auf einer Gesamtlänge von 250 Metern können sie nun einmal nicht überall gleichzeitig sein.
„Unsere rechtliche Kompetenz endet an der Bustür, unsere pädagogische aber nicht“, betont Schulleiter Gerald Wieziolkowski, der das Problem – wie auch alle anderen Lehrer – sehr ernst nimmt. Er möchte nun Lösungen erarbeiten. Dazu will er auch an die Schülerverwaltung herantreten. Es gebe im Schulalltag Mediatoren und Konfliktlotsen, die möglicherweise einen Betrag zur Entschärfung der gefährlichen Schulbusdrängelei leisten könnten.
Gleichwohl: Am Ende müssen die Schüler aller Jahrgänge aber selbst lernen, diszipliniert und rücksichtsvoll zu warten. Es kämen alle in die Busse, auch wenn der eine oder andere vielleicht für kurze Zeit stehen müsse, versichern die Fahrer, die ihrerseits versuchen, das Einsteige-Chaos zu ordnen. „Wir benötigen schon Autorität“, sagt einer mit langjähriger Erfahrung und berichtet, dass es schon Situationen gegeben habe, wo Nachdrängende über gestolperte Schüler einfach hinweggeklettert seien. Klar, dass bei dieser Mentalität die kleinsten Schüler – oft zusätzlich gehandikapt durch große Schulranzen – in dem Gedränge Probleme bekommen. Und wenn sich dann noch Elftklässler beschweren, dass Lehrer den Fünftklässlern Vortritt gewähren, ist die Schmerzgrenze erreicht.
1040 Schüler gibt es derzeit an der IGS, etwa zwei Drittel davon fahren mit dem Bus, und das meistens zur gleichen Zeit nach den siebten und neunten Stunden. Da ist gegenseitiges Verständnis sicherlich sinnvoller als individuelles Drängeln. Wie das gefördert werden kann, soll in den nächsten Wochen geklärt werden. Denkbar ist beispielsweise ein gezieltes Bustraining für die Kleinen. Auch Patenschaften von älteren Schülern für die Kleinen wären vorstellbar. Klar ist: Es wird etwas geschehen.

 

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